Ich habe mich in den letzten Wochen sehr intensiv mit dem Thema Cloudstorage auseinandergesetzt. Dabei ist mir ganz klar aufgefallen, dass Deutschland wie immer ein technisches Entwicklungsland ist. Wirkliche Cloudansätze findet man hier hierzulande keine. Abgesehen von Strato HiDrive fällt mir auch kein großer Player ein. Und dabei setzt dieses Produkt nicht ansatzweise den Cloudgedanken um sondern fokussiert das Angebot als Storage-as-a-Service. Aber nicht nur Deutschland ist hier ins Hintertreffen geraten. Erweitert man sein Blickfeld auf den europäischen Markt entdeckt man fast ausschließlich Ödland. Das fast bezieht sich hierbei auf einen Storage-Anbieter in England mit Namen Livedrive. Die Ideen des Anbieters sind sehr durchdacht und verfolgen den idealistischen Cloudgedanken. Auch der Preis kann sich sehen lassen. Der sehr große Wermutstropfen ist jedoch die störungsanfällige Umsetzung und der nahezu nicht vorhandene Email/Ticketsupport.
Schaut man nun weiter über den Tellerrand hinweg in Richtung USA, wird man überschwemmt von Anbietern die Cloudstorage, Cloudbackup und Storage-as-a-Service anbieten. Und das zu sagenhaft günstigen Preisen. Oftmals wird mit keiner maximalen größe geworben, sondern unlimited gibt hier den Ton an. Für umgerechnet ca. 10 EUR im Monat bekommt der Kunde ein Premium-Produkt bei dem er unbegrenzt Daten in der Wolke speichern kann. Zusätzlich dazu bieten nahezu alle Anbieter Synchronisierungs-Programme à la Dropbox, Wuala oder SugarSync an. Auch Apps für Smartphones sind im Programm um möglichst überall und direkt auf die in der Wolke gelagerten Daten zugreifen zu können.
Warum also ist der Makt in Europa noch nicht so weit?
Für die Deutschen vermute ich, dass hier die Datenschutz- und Sicherheitsbedenken eine große Rolle spielen. Schaut man sich die Terms Of Use der einzelnen Anbieter genauer an, macht eigentlich niemand eine Aussage über die Verfügbarkeit, Haftung, verschlüsselte Speicherung und lokale gesetzliche Auflagen (wie z.B. der Patriot Act). Sorgt man also selbst für die Sicherheit und hat besonders beim Anbieter ein Auge auf die Firma die dahinter steht kann eigentlich nicht viel passieren. Gesunder Menschenverstand und ein wenig Risikobereitschaft sind hier aber zwingend notwendig.
Was muß also passieren, damit wir in Deutschland auch in den Genuss von gutem ausreichenden Cloudstorage kommen können?
Durch einige persönliche Gespräche mit amerikanischen Anbietern und deren technischen Ingenieuren ist mir besonders ein Punkt ins Auge gefallen: Die Verfügbarkeit und die Storagetechnik. Das sind maßgebliche Faktoren, die den letztendlichen Produktpreis bestimmen.
Keiner der Anbieter möchte, wie in Deutschland, eine Verfügbarkeit von 96% oder bis hin zu 99% übernehmen. Wenn man durch die eigene Technik gut 80% erreicht ist das doch super, lautet der O-Ton: “Kunden kommen gut damit klar, wenn wir mal einen Tag im Monat Wartungsarbeiten durchführen“.
Gespeichert werden die Daten der Kunden nicht auf Hochverfügbarkeitssystemen oder technischen Lösungen die gerade dem aktuellen Standard entsprechen, sondern auf Hardware die besonders günstig eingekauft werden konnte, z.B. aus Veräußerungen durch Firmenauflösungen oder Ähnlichem. Auch müssen die Festplatten bzw. Storageeinheiten nicht besonders groß sein; die Masse macht’s! Fällt eine Festplatte aus, wird eine neue eingeschoben. Fällt ein Server aus, wird er ersetzt und nicht repariert. Eine Datensicherung wird bei diesem System durch eine 2-3 fache Spiegelung erreicht. Technische Produktfeatures, wie z.B. die Deduplikation von Dateien und Datenchunks (keine erneute Speicherung von Daten, die bereits auf dem Storage-System existieren), werden durch Eigenprogrammierungen oder Opensourcelösungen umgesetzt.
Auf dieser Dienstetechnik realisiert ein amerikansicher Serviceprovider für einen Weltkonzern den lokalen Storage für Datenhaltung und Sicherung. Falls man jetzt denkt, dass hierbei viele Ausfallzeiten in Kauf zu nehmen sind, irrt sich. Über 99% Verfügbarkeit konnte in den letzten Jahren durch dieses System gewährleistet und dabei bis zu 60% der Kosten für sog. Metro/Hochverfügbarkeitssysteme eingespart werden.
Für uns Deutsche bzw. Europäer bleibt eigentlich nur abzuwarten, wann die günstigen Storage-Anbieter auch hier auftauchen und den Markt ordentlich durcheinanderwirbeln.