Am 03.02.2011 wurden die letzten /8-Netze an IPv4-Adressen an die fünf regionalen Registrys verteilt. Für Europa ist die Ripe NCC für die Vergabe der IP-Adressen zuständig. Aktuelle Hochrechnungen zeigen, daß ab spätestens September alle IPv4 Adressen aufgebraucht sein werden. Doch was kommt danach? Die Antwortet lautet: IPv6.
Ich möchte in diesem Artikel auf die bis jetzt schon zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zur Anbindung der Fritzbox an IPv6 Netze eingehen. AVM hat bereits vor Jahren mit den ersten rudimentären Implementierungen des IPv6 Stacks in die Fritzbox begonnen. Es hat sich seitdem sehr viel getan.
Die IPv6-Einstellungen werden komfortabel über die WebGUI in dem dafür vorgesehenen Reiter der Internet-Zugangsdaten der Fritzbox vorgenommen. Es stehen 3 mögliche Optionen zur Auswahl:
- Einstellungen automatisch ermitteln (empfohlen)
- Immer eine native IPv6-Anbindung nutzen
- Immer ein Tunnelprotokoll für die IPv6-Anbindung nutzen
Generell ist die automatische Methode zu empfehlen. Falls der genutzte Internet Service Anbieter bereits einen nativen IPv6 Zugang anbietet, wird dieser genutzt und es sind keine weiteren Einstellungen notwendig. Alle Techniken und auch die weitere Erreichbarkeit alter IPv4 Hosts verantwortet der ISP und stellt entsprechende Gateways zur Verfügung. Falls kein nativer Zugang zur Verfügung steht wird ein Tunnelprotokoll eingesetzt. Daher kann mit dieser Option Einfluß auf die Nativ- bzw. Tunneltechnik genommen werden.
Von der Fritzbox werden Tunnelmöglichkeiten zur Verfügung gestellt:
- 6to4 – Die Nutzung von 6to4 ist über nahezu jede IPv4-Adresse möglich und erfordert keine Anmeldung. Der nächstgelegene Tunnelendpunkt wird automatisch ermittelt.
- SixXS – SixXS.net ist ein Tunnelanbieter, der es nach einer erfolgreichen Registrierung ermöglicht, eigene IPv6 Netze zu verwalten, mit DNS-Servern zu versehen und Statistiken auszuwerden. Es werden entsprechende Zugangsdaten benötigt.
- 6RD – IPv6 rapid deployment basiert auf 6to4, jedoch mit dem Ziel die Architektur-Problematik der alten Umsetzung zu vermeiden.
- 6in4 – Übertragung von IPv6 in IPv4 Paketen. Es kommt hierbei das klassiche Tunnelprotokoll zum Einsatz (z.B. Protokolltyp 41). Es wird lediglich ein IPv4 Endpunkt mit entsprechend konfiguriertem Tunnel benötigt. Beispielsweise bietet Hurricane Electric Tunnel basierend auf dieser Technik an.
Native IPv6 Anbindung
Wie bereits erwähnt sind bei dieser Verbindungsart die wenigsten Hindernisse zu befürchten. Im günstigsten Fall kann die Fritzbox die global zugewiesene IPv6 Adresse aushandeln und auf die Box konfigurieren. Falls das widererwarten nicht möglich sein sollte, müssen hier die Providereinstellungen manuell vorgenommen werden.
Letztendlich bleibt noch die IPv4-Konfiguration übrig. Diese ist nötig, um auch weiterhin Hosts und Server im alten Adressraum zu erreichen. Die Einstellungen dafür befinden sich im Reiter IPv4. Der DS-Lite (IPv4-over-IPv6 tunneling technology) Parameter definiert die Erreichbarkeit des entsprechenden NAT-Gateways zum Transport der IPv4-Daten über IPv6. Die Zuweisung der Adresse kann entweder via DHCPv6 automatisch oder durch eine manuelle Zuweisung durchgeführt werden.
IPv6 Anbindung über Tunnelprotokolle
Um die IPv6-Connectivity über eine Tunnelverbindung herzustellen, muß zuerst die Technik bzw. der Anbieter ausgewählt werden. Bis auf die 6RD Umsetzung werden jeweils Zugangsdaten benötigt, die in den entsprechenden Konfigurationsfeldern einzutragen sind.
Genau wie beim nativen IPv6-Zugang besteht die Möglichkeit eine fest eingestellt MTU-Größe einzustellen. Auch können die ULA (Unique Local Addresses) im Aufbau und Präfix festgelegt werden.
Abschluß der Konfiguration und Aktivieren der Verbindung
Nachdem der native IPv6-Zugang bzw. die Tunnelverbindung konfiguriert wurde, wird die Fritzbox nach der Übernahme der Einstellung die Internetverbindung neu herstellen. Das Ergebnis der IPv6-Connectivity lässt sich auf der Übersichtsseite der Fritzboxkonfiguration ablesen. Über den IPv6 Reiter in den Einstellungen der Internet-Zugangsdaten lassen sich noch wesentlich mehr Details über festgelegte und übermittelte Parameter erkennen. Die Informationen können bei Problemen zur Fehlerlösung herangezogen werden.



